EINIGES ÜBER NEUNKIRCHEN

Dieser Text stammt aus der Diplomarbeit "Der Hauptplatz von Neunkirchen aus der Sicht seiner Nutzerinnen und Nutze r" von Silke Rosenbüchler . Die Arbeit wurde 1996 fertiggestellt. Die Angaben wurden nicht aktualisiert.

Allgemeinde Daten

Naturräumliche Gegebenheiten der Stadt Neunkirchen

Das Klima

Wichtige Daten aus der Geschichte Neunkirchens

Neunkirchen als Einkaufsstadt

Die Freiraumsituation in Neunkirchen

Der Holzplatz

Die Hauptplatzpassage

Romantica 2000

Die Herrengasse

Der Minoritenplatz

Am Plätzl

Der Schafferhofergarten

Parkplatzbereich zwischen Fabriksgasse und Raiffeisen-Straße

Der Spitalpark

Der Stadtpark

Das Erholungszentrum

Sportplätze

Der Friedhof

Die Schwarza

Sonstiges

Allgemeinde Daten

Naturräumliche Gegebenheiten der Stadt Neunkirchen

Die Stadt Neunkirchen liegt auf 4744' nördlicher Breite und 1605' östlich von Greenwich. Die Seehöhe ist mit 371m angegeben, leider fehlt bei dieser Angabe der genaue Meßpunkt, die Stadt liegt nicht auf einem ganz ebenen Niveau. Die die Stadt in zwei Teile schneidende Schwarza tritt hier von der Gloggnitzer Bucht in das Steinfeld des südlichen Wiener Beckens ein. Im Nordwesten finden wir die Plateauberge der Kalkalpen, sowie die Erhebungen der Grauwackenzone. Im Süden dagegen sind die zu den Zentralalpen gezählten Ausläufer der Buckligen Welt zu erkennen. (Holl 1976, 307) Die Gesamtfläche des Stadtgebietes beträgt 20,28 km2. (Neunkirchen informiert, 9)

"Die Naturlandschaft, bedingt durch die Anlage des Flußsystems, die geologisch-morphologischen Gegebenheiten und das Klima, zeichnet weitgehend die historische Entwicklung eines Landstriches vor. Das Werden der Kulturlandschaft liegt in den Händen der Menschen. Ihre Fähigkeiten und ihr Fleiß, ihre Gesellschafts- und Wirtschaftsformen gestalten das Land. Großräumige politische, religiöse und wirtschaftliche Ereignisse haben aber ebenfalls ihre Auswirkungen." (Festschrift zur Eröffnung..., Dr. Wilhelmine Herle 1968, 37)

Die Naturlandschaft des Bezirkes Neunkirchen wird gegliedert durch die Wasserläufe der Schwarza und Pitten mit ihren Zubringern und durch die Furche Puchberg - Neue Welt. Die Voraussetzungen für die Entwicklung der Landwirtschaft und des Bergbaues werden durch die geologisch-morphologischen Gegebenheiten und die jungen Aufschüttungen an den Flüssen und in der genannten Furche in Zusammenhang mit dem günstigen Klima gegeben. Da das Gebiet keinen einheitlichen Charakter aufweist, muß es als Übergangszone angesehen werden. (Festschrift zur Eröffnung..., Dr. Wilhelmine Herle 1968, 37)

Lage von Neunkirchen
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Das Klima

Bei meinen Erhebungen tauchte immer wieder das Stichwort "Klima" als einer der Faktoren der Nutzung des Platzes auf. Die Plätze in südlichen Ländern werden deshalb intensiver genutzt, weil dort die klimatischen Verhältnisse für Aufenthalte im Freien günstiger wären. In diesem Kapitel möchte ich kurz auf die lokalklimatischen Verhältnisse von Neunkirchen eingehen. Die folgenden Daten habe ich ausschließlich den "Erläuterungen zur Bodenkarte 1:25.000 Kartierungsbereich Neunkirchen Niederösterreich", verantwortet von Herr Ministerialrat Dipl. Ing. Anton Krabichler 1972, auf den Seiten 49-53, entnommen. Bezugshöhe für die metereologischen Daten sind 368m Seehöhe.

Neunkirchen liegt in einem Übergangsgebiet zwischen dem westeuropäischen Klima (milde Winter, feuchte, relativ kühle Sommer) und den osteuropäischen Klimaprovinzen (kontinental, trocken, im Sommer heiß). Durch seine Lage zwischen Wiener Becken, Kalkalpen, der Buckligen Welt und dem Rosaliengebirge ist es gegen die regenbringenden Westwinde gut geschützt und daher relativ trocken, heiter und warm. Das wahre Jahresmittel um Neunkirchen beträgt 9C, die mittlere Jahressumme des Niederschlages 700mm.

Die folgende Tabelle bezieht sich offensichtlich auf die Monatsmittel der Temperatur, aufgelistet wurden sie nach dem Satz: "Die Wärmeverhältnisse werden durch die Angaben folgender meteorologischer Stationen charakterisiert" (Krabichler 1972, 49)

Tab. 2: Monatsmittel der Temperatur in Neunkirchen in Grad Celsius 


  J      F      M      A       M       J       J       A       S      O     N      D    

-1,4°   0,1°   4,2°   9,1°   13,9°   17,0°   19,0°   18,1°   14,5°  9,5°   3,6°   0,1°

Ferner zählt man in Neunkirchen 90 Frosttage, 25 Eistage und 65 Frostwechseltage. Ein Frosttag wird definiert als ein Tag, an dem das Tagesminimum negativ ist, an einem Eistag ist auch das Maximum negativ. An Frostwechseltagen durchschreitet die Temperatur, gemessen in 2m Höhe, einmal oder mehrmals den Gefrierpunkt. Für den ersten Frost wird der 31. Oktober genannt, für den letzten der 9. April. Die durchschnittliche Dauer der frostfreien Zeit beträgt in 360m Seehöhe 151 Tage. Auf selber Höhe mißt man durchschnittlich 223 Tage mit einer mittleren Tagestemperatur von über 5C sowie 162 Tage mit über 10C. Die Mittelwerte der 14-Uhr-Temperatur betragen im April 13.1C, im Mai 18.4C, im Juni 21.5C, im Juli 23.8C und im August 22.4C.

Der Prozentsatz der effektiv möglichen Sonnenscheindauer beträgt im Frühling 45 - 50, im Sommer 55 - 60, diese Werte liegen über dem österreichischen Durchschnitt. Normal hingegen sind der Herbst mit 45% und der Winter mit 30 - 35%. Die Sonne scheint 1.800 Stunden pro Jahr.

Ein weiteres wichtiges Klimaelement ist der Niederschlag. Für Neunkirchen ergeben sich folgende Monatssummen in mm:

Tab. 3: Monatssummen des Niederschlages in Neunkirchen in mm 


  J      F       M      A      M       J      J       A      S      O       N      D    

 31mm   33mm   34mm    50mm   75mm   99mm    96mm   84mm    69mm   51mm   39mm    37mm

Im Jahr sind das 698mm, wobei die höchste Regenwahrscheinlichkeit, wie oben ersichtlich, in den Monaten Juni und Juli auftritt. Im Steinfeld gibt es 18 - 22 Tage im Jahr mit Gewittern, 5,7 Zehntel der Himmelsfläche sind im Jahresdurchschnitt bewölkt. Ansonsten ist Neunkirchen mit 40 Nebeltagen pro Jahr ein richtiges Nebelloch.

An 15 bis 17 Tagen im Jahr schneit es, mit einer mindestens 1cm hohen, einige Tage anhaltenden Schneedecke ist zwischen dem 1. Dezember und dem 9. März zu rechnen. Die am längsten andauernde Schneebedeckung, die sogenannte Winterdecke, liegt zwischen dem 5. und dem 31. Jänner.

Die Hauptwindrichtung im Steinfeld ist Nordwest, wobei die mittlere Windgeschwindigkeit zwischen 3 und 4m/sec liegt.

Über das Mikroklima am Hauptplatz selbst habe ich keine Daten gefunden. Laut einer Aussage unseres Stadtamtsdirektors soll es durch die großen, begrünten Hinterhöfe der den Hauptplatz umschließenden Häuser positiv beeinflußt werden. Auch scheinen die vier Bäume um den Brunnen sowie der Brunnen selbst einer allzu großen Hitzeentwicklung auf dem großen, mit hellen Steinen ausgelegten Platz entgegenzuwirken.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß aufgrund der erhobenen Daten der Monat September der geeignetste Zeitraum für größere Veranstaltungen am Hauptplatz zu sein scheint, gefolgt von Mai und Oktober. Die anderen Monate sind vom Wetter her entweder zu kalt oder zu unsicher.

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Wichtige Daten aus der Geschichte Neunkirchens

Neunkirchen als Einkaufsstadt

"Einkaufen" ist mit 79% die meistgenannte Tätigkeit am Hauptplatz, weit vor "Spazierengehen" (53%) und "Bekannte treffen" (42%). !!!!!!!!

Auch die Tatsache, daß der Platz außerhalb der Geschäftszeiten eher unbelebt wirkt, zeugt von der Bedeutung des Einzelhandels für den Hauptplatz.

Diese Situation hat Tradition. Bereits 1136 wird Neunkirchen das Markt- sowie das Münzrecht erteilt. Als einziger Markt in diesem Landschaftsstrich hat "Niuwenchirgun"* ein weites Einzugsgebiet, die verkehrsgünstige Lage an der Schwarza sowie einigen Römerstraßen ist bei der Überlegung, Neunkirchen als Markt zu konstituieren, von großer Bedeutung. Im Jahre 1194 wird in einer Entfernung von etwa 20 km Richtung Wien die Stadt Wr. Neustadt gegründet, auf welche Markt- und Münzrecht übergehen. Ob es eine Zeit gegeben hat, in der Neunkirchen nicht über ein eigenes Marktrecht verfügte, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Sicher ist, daß die Bedeutung Neunkirchens als Markt vor allem für die Bevölkerung aus dem südwestlichen Bergland, für die Wr. Neustadt zu weit entfernt lag, wiederholt als Argument bei Verhandlungen mit der jeweiligen Regierung betont wurde.

In weiterer Folge erlangte Neunkirchen Bedeutung als Handwerksort, 16 Zünfte zählte Neunkirchen in seiner Blütezeit. Im Zeitalter der Industrialisierung wurde die günstige Lage Neunkirchens für die Nutzung der Wasserkraft vor allem von der Textilindustrie erkannt. Mit Ende des ersten Weltkrieges begann die Bedeutung Neunkirchens als Industrieort zu schwinden, heute zeugen nur mehr die leeren Fabriksgebäude von der einstigen Blütezeit der Stadt. Mit der Stahlkrise und den damit in Zusammenhang stehenden Schließungen in der einstigen Stahlstadt Ternitz gingen weitere wichtige Arbeitsplätze im Gebiet verloren.

Infolgedessen versucht sich Neunkirchen als Einkaufsstadt zu profilieren. Wieder stellt Wr. Neustadt eine große Konkurrenz dar. Ich erinnere mich, daß meine Eltern mit mir etwa alle ein, zwei Monate nach Wr. Neustadt gefahren sind, um dort größere Einkäufe - vor allem im Textilbereich - zu tätigen. Später kommt noch die Shopping City Süd, nicht ganz eine Autostunde von Neunkirchen entfernt, als attraktive Gelegenheit für Großeinkäufe dazu. Immer mehr Kaufkraft wandert ab, Handlungsbedarf ist gegeben. Im Jahr 1985 beauftragt das WIFI der Handelskammer Niederösterreich die SOREF-Betriebsberatung mit einer Studie über die Eignung Neunkirchens für eine Fußgängerzone.

Laut Altbürgermeister Felix Rigler (Interview) wurde im Gemeinerat beschlossen, Neunkirchen als "liebenswerte Kleinstadt" als Einkaufsstadt attraktiv zu machen. Um mit Wr. Neustadt direkt in Konkurrenz zu treten, ist Neunkirchen zu klein, also müssen andere Vorteile gefunden werden, wie zum Beispiel die Neuschaffung etlicher - im Gegensatz zu Wr. Neustadt - gebührenfreier Parkplätze*. Die Stadt wurde "umgebaut", ein neues Verkehrskonzept erstellt. Viele Hausbesitzer ließen es sich im Zuge dieser Neuerungen nicht nehmen, die Fassaden der alten Bürgerhäuser neu zu renovieren. (Lediglich das gemeindeeigene Elektrohaus bildet hier eine unrühmliche Ausnahme. Da hier ein Betrieb angesiedelt ist, gewährt der Bund nicht die notwendigen Unterstützungen).

Parallel zur Fußgängerzone Hauptplatz entwickelt sich ein neues Einkaufszentrum am Spitz, welches ausgesprochen fußgängerfeindlich angelegt wird. Hier sind vor allem Artikel des täglichen Bedarfes zu finden, am Samstag trifft sich halb Neunkirchen beim Merkurmarkt zum Wocheneinkauf. Eine weitere Agglomeration von Supermärkten bildet sich im Bereich der Raiffeisenstraße, welcher ebenfalls im Süden der Stadt gelegen ist. Im Steinfeld findet sich noch etwa in der Mitte der Rohrbacherstraße eine Möglichkeit, für den täglichen Bedarf im großen Stil Einkaufen zu gehen. Für die nichtmotorisierte Bevölkerungsschichte etwa im Steinfeld ist die Situation denkbar schlecht.

Mit der Neugestaltung des Hauptplatzes und der Eröffnung der Hauptplatzpassage ist es Neunkirchen sicher gelungen, die räumlichen Voraussetzungen für eine "liebenswerte Kleinstadt", die zum gemütlichen Einkaufen verführen soll, zu schaffen. Der Platz selbst kann als Knotenpunkt von allen wichtigen Einkaufsstraßen gesehen werden: Wienerstraße, Triesterstraße, Fabriksgasse. Die Herrengasse läuft parallel und ist durch die Romantika 2000 mit dem Platz verbunden, der Holzplatz durch die kurze Kirchengasse. Die Passage wird als wichtiger Teil des Hauptplatzes angesehen. Es gab ferner eine Werbekampagne unter dem Motto "Neunkirchen erfüllt Träume", für die ein eigenes Neunkirchenlogo geschaffen wurde (siehe Abb.1)

Aus Kostengründen wurde die Betreuung dieser Werbelinie durch eine Werbeagentur von der Gemeinde wieder eingestellt. Auch unter den einzelnen Wirtschaftstreibenden von Neunkirchen besteht offensichtlich zu wenig Zusammenhalt, als daß eine sinnvolle Gemeinschaftswerbung in einem weiteren Umfeld gestartet werden könnte. Bei meinen Experteninterviews habe ich immer wieder Kritik über den Branchenmix am Hauptplatz gehört sowie über das Angebot der ansässigen Geschäfte (vor allem von Roysky und Schöller). Im "City Express" 1. Ausgabe 1996, einer Postwurfzeitung, lese ich auf Seite 3 : "Geschäftssterben in Wr. Neustadt und Neunkirchen geht weiter. Kein Ende der Pleiten ist abzusehen. Wohl sind die Innenbereiche der Städte in den letzten Jahren immer schöner geworden, der Parkraum und die Zufahrten wurden immer mehr gekürzt. Der geringere Besucherstrom und die viel zu hohen Mieten sind nicht miteinander vereinbar. Eine (im Original, Anm.) Ende ist derzeit nicht in Sicht." Dazu wird ein Bild vom Neunkirchner Hauptplatz gezeigt, auf welchem lediglich fünf Menschen auf Bänken sitzend sowie einer gehend zu erkennen sind, die leere Fläche im Bildvordergrund wird durch einen Weitwinkeleffekt übermäßig betont. Dazu der Bildtext: "Leerer Hauptplatz in Neunkirchen - leider keine Seltenheit". Nun, das Bild hat zumindest Seltenheitswert, mir ist es bis jetzt nicht gelungen, unter Tags ein ähnlich menschenleeres Foto zu schießen....

Sicher ist die oben erwähnte Zeitungsmeldung übertrieben, trotzdem fällt auf, daß in Neunkirchen häufig Geschäftsräume leerstehen, Geschäfte immer wieder umziehen. Lediglich die alteingesessenen Geschäfte am Hauptplatz sowie die Geschäfte in der Passage scheinen von dieser Fluktuation nicht betroffen zu sein. Mit schuld daran sind sicher die überhöhten Mieten in den neu geschaffenen Geschäftsräumen, die aber aus der Sicht der Vermieterinnen und Vermieter, welche die Baukosten zu tragen hatten, wieder verständlich sind.

Es liegt meines Erachtens nur mehr in den Händen der Neunkirchner Kaufmannschaft, ob das Konzept "Einkaufsstadt Neunkirchen - Neunkirchen erfüllt Träume" aufgeht. Dem Grundtenor vieler Gespräche mit Handelstreibenden in Neunkirchen entnehme ich, daß es keinen richtigen Gemeinschaftsgeist zu geben scheint, was auch Einzelinitiativen schadet und den wenigen Geschäftsleuten, die sich engagieren würden, die Freude am Planen und Organisieren nimmt.

Als Quelle für diesen Abschnitt diente mir das im Zuge meiner Seminararbeit über den Holzplatz angeeignete Wissen, sowie eigene Erfahrungen und viele Gespräche über Neunkirchen und die momentane Situation der Stadt. Bezüglich genauerer Informationen und detaillierter Quellenangaben möchte ich auf das Kapitel "Ein Ausflug in die Geschichte" meiner Seminararbeit "Der Hauptplatz von Neunkirchen" aus dem Jahr 1994, Institut für Freiraumgestaltung und Landschaftspflege, Arbeitsbereich Landschaftspflege und Naturschutz, verweisen, sowie auf das Verzeichnis der weiterführenden Literatur.

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Die Freiraumsituation in Neunkirchen

"Unter den Sammelbegriff "Frei- und Bewegungsräume" fallen (...) alle Grün-, Spiel- und Sportflächen, also: Spielplätze für jede Altersgruppe (auch für Erwachsene), Mehrzweckplätze, Sportplätze, Freibäder, "natürliche Freiräume", Parks und diverses Grün, Kleingärten und Grabeland, Fußgängerzonen und Friedhöfe. " (Bodzenta 1993,134)

Bei der ersten Präsentation meiner Arbeit im Diplomandenseminar wurde ich gefragt, welche Freiräume in Neunkirchen in Konkurrenz zum Hauptplatz stehen. Auf die weitere Anregung, auch diese zu untersuchen, antwortete ich, daß dies den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde. Trotzdem sei hier ein kurzer Überblick über die anderen Freiräume und Plätze gegeben, um die besondere Stellung des Hauptplatzes zu unterstreichen.

Der Holzplatz

Der Holzplatz ist der einzige Platz in Neunkirchen, der eine ähnliche Freiraumsituation wie der Hauptplatz bietet, wenn auch nicht in dieser Größe. Durch seine enge Verbindung zum Hauptplatz (ein paar Schritte durch die sogenannte Kirchengasse) stellt er für diesen allerdings keine Konkurrenz, sondern eher eine Art Ergänzung dar. Der Platz ist rundherum befahrbar, die Straße wird durch Grünstreifen und (noch) kleine Bäume vom Fußgängerraum getrennt. Die Mitte des Platzes schmückt ein moderner Brunnen, der in einem reizvollen Gegensatz zu den historischen Bürgerhäusern steht. Die Meinungen über den Brunnen gehen auseinander, manche (viele?) meinen, er wäre für einen moderneren Stadtteil besser geeignet, wie zum Beispiel für den neugestalteten Teil zwischen Stiergraben und Raiffeisenstraße. Der Platz wirkt insgesamt ruhiger als der Hauptplatz, wohl weil er nicht in direkter Verbindung zu den anderen Geschäftsstraßen steht. Jeden Samstag wird ein Bauernmarkt abgehalten, für den eigens Stände und Schirme entworfen wurden. Meine persönliche Meinung ist, daß dieser Markt tatsächlich besser auf den kleineren und übersichtlicheren Holzplatz paßt als auf den für einen Bauernmarkt doch etwas zu städtisch anmutenden Hauptplatz. Straßencafé gibt es hier keines, den Eissalon Harrer mit seinem Schanigarten würde ich eher der Kirchengasse als dem Holzplatz zurechnen. In der neuentstandenen Holzplatzpassage befindet sich eine Cocktailbar, die ebenfalls in der vielzitierten Beiselszene mitmischt.

Die Hauptplatzpassage

Die Hauptplatzpassage ist eine im Zuge der Neugestaltung des Hauptplatzes entstandene Einkaufspassage, die von den den Hauptplatz gestaltenden Architekten liebevoll angelegt wurde. Der nicht geringe Niveauunterschied wurde hier sehr reizvoll und behindertenfreundlich gelöst. Am tiefsten Punkt entstand ein kleiner Platz, der von einer durchsichtigen Kuppel überdacht ist. Hier befinden sich auch zwei Telefonhäuschen, die am Hauptplatz direkt fehlen. (Weitere öffentliche Telefone in hauptplatznähe befinden sich in der Kirchengasse und in der Postgasse). Wegen dem starken Vandalismus muß die Passage in der Nacht durch schmiedeeiserne Tore verschlossen werden. In der Beiselszene spielt das hier stationierte Bierpub eine Rolle, daneben befindet sich das Feinschmeckerlokal Brunnenstöckel. Diese Lokalitäten befinden sich noch außerhalb der Absperrung, um auch nach zehn Uhr frequentiert werden zu können. Innerhalb der Absperrung befindet sich die Konditorei Harrer, die zu so später Stunde ohnedies geschlossen ist. Im allgemeinen wird die Hauptplatzpassage als ein Teil des Hauptplatzes angesehen, sie wird im Zuge meiner Untersuchung auch immer wieder genannt werden.

Romantica 2000

Die Romantica 2000 war sozusagen das Pilotprojekt in Sachen Fußgängerzone. Sie verbindet den Hauptplatz mit der Herrengasse und war die erste autofreie "Geschäftsstraße" in Neunkirchen, wenngleich sie in den den Hauptplatz umgebenden Gebäudekomplex eingefügt wurde und somit keine Straße im eigentlichen Sinne darstellt, sondern einen Durchgang. Hier befindet sich ein Café im ersten Stock sowie ein Lokal an der Ecke zur Herrengasse, der Eingang ist in der Romantica. Im Sommer stellt der Eigentümer gerne ein paar Tische auf die Straße.

Die Herrengasse

Die Herrengasse verläuft parallel zum Hauptplatz und ist ebenfalls als Fußgängerzone gewidmet. Mit dieser Lösung sind nicht alle zufrieden, da dadurch die verkehrsmäßige Teilung von Neunkirchen perfekt wird. Andererseits würde eine Öffnung der Herrengasse nicht wirklich "etwas bringen", da sie ohnedies nur als Einbahn geführt werden könnte, es sei denn, die Fußgänger drücken sich eng an den Häuserwänden entlang. Das hier ansässige In-Beisl "Kuckuck" sorgt für den von den Anrainerinnen und Anrainern oft erwähnten "Lärm in der Herrengasse". Da das Lokal über einen Gastgarten verfügt, werden keine Stühle auf die Straße gestellt, somit gibt es in der gesamten Herrengasse keine Sitzgelegenheit, es sei denn, der "Pfifferling" in der Romantica breitet sich etwas mehr aus, wie es bei manchen Festivitäten der Schmankerlwirte der Fall ist.

Der Minoritenplatz

Der Minoritenplatz ist nicht als Platz im eigentlichen Sinne anzusehen, da hier der Autobusbahnhof gelegen ist, welcher den ganzen Raum für sich beansprucht. Hier befindet sich eine öffentliche Toilette, die wegen zahlreicher Vandalenakte von der Bevölkerung kaum angenommen wird und eher einen schlechten Ruf genießt. Offensichtlich ist vor der Eröffnung der WC-Anlagen neben der Polizeistation auch niemand auf die Idee gekommen, diese Toiletten während der Veranstaltungen am Hauptplatz aufzusuchen, obwohl sie in kurzer Zeit vom Platz aus zu erreichen wären.

Am Plätzl

Der Würstelstand am Plätzel ist ein beliebter Treffpunkt. Die hier in einem Gebäudekomplex untergebrachte "Mini Shopping City" hat sich offensichtlich nicht sehr bewährt, nur wenige Geschäfte konnten hier ihren Standort behaupten. Unter einer wunderschönen Linde befindet sich ein Bankerl, ansonsten bietet ein Chinarestaurant im Sommer Plätze im Freien an. Gelegentlich organisieren die Geschäftsleute der Wienerstraße eine Band, die hier aufspielt, ansonsten erfüllt der kleine Platz keine Freiraumfunktion und wird eher wie eine Erweiterung des Gehsteiges genutzt.

Der Schafferhofergarten

Im Stadtplan wird der Schafferhofergarten als Festplatz angeführt, im Zuge meiner Umfrage wird er immer wieder als Spielplatz für Kinder und Jugendliche genannt. Als Kind wurde ich selbst des öfteren in die gartenähnliche Anlage zum Spielen geführt, während meine Eltern sich in der dort ansässigen Lokalität aufhielten. Dort befindet sich auch ein Tennisplatz, der im Winter aus Eislaufplatz genutzt wird. Gelegentlich wird dort auch ein Festzelt aufgestellt. Die Grünfläche beträgt sehr grob geschätzt 1,2ha (aus dem Stadtplan herausgemessen). Wie gut diese angenommen wird, kann ich nicht beurteilen, da ich selten in dieser Gegend zu tun habe.

Parkplatzbereich zwischen Fabriksgasse und Raiffeisen-Straße

Die hier zusammenhängenden Parkplätze beim Stiergraben sowie eine Reihe von Lebensmittelgroßmärkten haben eine eigene Freiraumsituation geschaffen. Leider ist sie "widmungsgemäß" meist von Autos verstellt. Diese Fläche wurde als ideal für Veranstaltungen mit Eintritt genannt. Auch fanden in diesem Bereich bereits mehrere Aktivitäten statt, wie Aufstellen von größeren Kinderspielgeräten, Abhalten einer Streetballmeisterschaft und ähnliches.

Der Spitalpark

Der Spitalpark wird auf die Frage, welche Freiräume es in Neunkirchen noch gibt, nie genannt. Die Kranken halten sich eher auf dem spitalseigenen Gelände auf. Anrainer im eigentlichen Sinne gibt es kaum, da der langgezogene Park an der einen Breitseite von der Peischingerstraße und daran anschließend vom Spitalskomplex gesäumt wird, an der anderen Seite von der Schwarza. Die wenigen Male, die ich ihn bisher durchquerte, war er kaum belebt, vermutlich wird er eher durchquert, um Wegzeit zu kürzen und von der Straße wegzukommen, anstatt als Freiraum genutzt.

Der Stadtpark

Der Stadtpark ist die größte öffentliche Grünfläche in Neunkirchen, und meines Wissens nach eine der größten Parkanlagen in Niederösterreich. Auf die Frage nach weiteren Freiflächen in Neunkirchen wird er am häufigsten genannt. Obwohl seine Nutzung zu der des Hauptplatzes in starkem Kontrast steht, habe ich ihn zu Vergleichszwecken in meine Untersuchung miteinbezogen. In den Kapiteln 2.17, 2.18 und 3.17 des II. Abschnittes wird noch ausführlicher von ihm die Rede sein.

Das Erholungszentrum

Das Erholungszentrum besteht in erster Linie aus dem Freibad, dem Hallenbad und einem Minigolfplatz. Des weiteren befinden sich in diesem Areal Tennisplätze, die aber nicht mit dem Bad in direktem Zusammenhang stehen. Das Gelände ist vom Stadtpark durch den Werkskanal getrennt, lediglich eine schmale Fußgängerbrücke zwischen Bad und Tennisplatz schafft eine Verbindung zu diesem großen Grünraum. Ein stärkerer Bezug zum Stadtpark als Neunkirchens größter Erholungsfläche wäre sicher wünschenswert, ist in der Durchführung eher problematisch (Schaffung von Brücken über den Werkskanal, Bauen und Besetzen einer weiteren Kasse, etc.) Im Sommer stellt das Erholungszentrum sicher in gewisser Weise eine Konkurrenz zum Hauptplatz dar, da bei großer Hitze viele Menschen lieber baden als einkaufen gehen oder Bekannte am Hauptplatz treffen wollen (zumal die Bekannten zu dieser Zeit ebenfalls eher im Freibad anzutreffen sind). Wieviele Neunkichnerinnen und Neunkirchner das moderner gestaltete Freibad in Ternitz vorziehen, kann ich nicht beurteilen.

Sportplätze

Als solche auf dem Stadtplan ausgewiesen sind der Sportplatz in der Sportplatzgasse sowie der Sportplatz neben dem Schafferhofergarten (Festplatz). Meines Wissens existiert oder existierte ein weiterer Fußballplatz in der Talgasse, allerdings ist mir nicht bekannt, ob er noch in Betrieb ist oder nicht. Als öffentliche Freifläche würde ich keinen dieser Sportplätze bezeichnen, sie seien hier nur der Vollständigkeit halber angeführt.

Der Friedhof

Der Städtische Friedhof liegt etwas außerhalb der Stadt und erfüllt in einer Kleinstadt wie Neunkirchen - anders als in Wien - keine Funktion als Freiraumersatz. Neben dem Städtischen Friedhof gibt es noch etwas weiter nördlich den Israelischen Friedhof sowie den Bauernfriedhof, der an der Grenze zwischen Neunkirchen und Natschbach gelegen ist.

Die Schwarza

Die Schwarza führt selten Wasser. Gelegentlich bin ich in das Flußbett hinunter geklettert, um dort Steine zu sammeln und ein wenig spazieren zu gehen. Auch Kinder nutzen das ausgetrocknete Bett gerne als Spielplatz, aufgrund der starken und hohen Uferverbauung (1000jähriges Ereignis??)* ist es allerdings nur sehr schwer zugänglich.

Sonstiges

Abschließend bleibt zu erwähnen, daß in Neunkirchen die Einfamilienhäuser mit Garten überwiegen. Weiters bieten der nahe Petersberg Richtung Ternitz sowie der an der Südbahn Richtung Wr. Neustadt gelegene Föhrenwald Möglichkeiten zum Spazierengehen, Radfahren, sich im Grünen erholen. Um so wichtiger erscheint mir in diesem Zusammenhang die Schaffung eines richtigen Stadtplatzes als kommunikativer Treffpunkt des Ortes, wie es ihn vor der Erneuerung des Verkehrskonzeptes nicht gegeben hat.


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Für den Inhalt verantwortlich: Silke Rosenbüchler, email  h8840806@edv1.boku.ac.at  
Datum der letzten Änderung: 22.2.2000

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