"Die Naturlandschaft, bedingt durch die Anlage des Flußsystems, die geologisch-morphologischen Gegebenheiten und das Klima, zeichnet weitgehend die historische Entwicklung eines Landstriches vor. Das Werden der Kulturlandschaft liegt in den Händen der Menschen. Ihre Fähigkeiten und ihr Fleiß, ihre Gesellschafts- und Wirtschaftsformen gestalten das Land. Großräumige politische, religiöse und wirtschaftliche Ereignisse haben aber ebenfalls ihre Auswirkungen." (Festschrift zur Eröffnung..., Dr. Wilhelmine Herle 1968, 37)
Die Naturlandschaft des Bezirkes Neunkirchen wird gegliedert durch die Wasserläufe der Schwarza und Pitten mit ihren Zubringern und durch die Furche Puchberg - Neue Welt. Die Voraussetzungen für die Entwicklung der Landwirtschaft und des Bergbaues werden durch die geologisch-morphologischen Gegebenheiten und die jungen Aufschüttungen an den Flüssen und in der genannten Furche in Zusammenhang mit dem günstigen Klima gegeben. Da das Gebiet keinen einheitlichen Charakter aufweist, muß es als Übergangszone angesehen werden. (Festschrift zur Eröffnung..., Dr. Wilhelmine Herle 1968, 37)
Lage von Neunkirchen
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Neunkirchen liegt in einem Übergangsgebiet zwischen dem westeuropäischen Klima (milde Winter, feuchte, relativ kühle Sommer) und den osteuropäischen Klimaprovinzen (kontinental, trocken, im Sommer heiß). Durch seine Lage zwischen Wiener Becken, Kalkalpen, der Buckligen Welt und dem Rosaliengebirge ist es gegen die regenbringenden Westwinde gut geschützt und daher relativ trocken, heiter und warm. Das wahre Jahresmittel um Neunkirchen beträgt 9C, die mittlere Jahressumme des Niederschlages 700mm.
Die folgende Tabelle bezieht sich offensichtlich auf die Monatsmittel der Temperatur, aufgelistet wurden sie nach dem Satz: "Die Wärmeverhältnisse werden durch die Angaben folgender meteorologischer Stationen charakterisiert" (Krabichler 1972, 49)
Tab. 2: Monatsmittel der Temperatur in Neunkirchen in Grad Celsius
J F M A M J J A S O N D
-1,4° 0,1° 4,2° 9,1° 13,9° 17,0° 19,0° 18,1° 14,5° 9,5° 3,6° 0,1°
Ferner zählt man in Neunkirchen 90 Frosttage, 25 Eistage und 65 Frostwechseltage. Ein Frosttag wird definiert als ein Tag, an dem das Tagesminimum negativ ist, an einem Eistag ist auch das Maximum negativ. An Frostwechseltagen durchschreitet die Temperatur, gemessen in 2m Höhe, einmal oder mehrmals den Gefrierpunkt. Für den ersten Frost wird der 31. Oktober genannt, für den letzten der 9. April. Die durchschnittliche Dauer der frostfreien Zeit beträgt in 360m Seehöhe 151 Tage. Auf selber Höhe mißt man durchschnittlich 223 Tage mit einer mittleren Tagestemperatur von über 5C sowie 162 Tage mit über 10C. Die Mittelwerte der 14-Uhr-Temperatur betragen im April 13.1C, im Mai 18.4C, im Juni 21.5C, im Juli 23.8C und im August 22.4C.
Der Prozentsatz der effektiv möglichen Sonnenscheindauer beträgt im Frühling 45 - 50, im Sommer 55 - 60, diese Werte liegen über dem österreichischen Durchschnitt. Normal hingegen sind der Herbst mit 45% und der Winter mit 30 - 35%. Die Sonne scheint 1.800 Stunden pro Jahr.
Ein weiteres wichtiges Klimaelement ist der Niederschlag. Für Neunkirchen ergeben sich folgende Monatssummen in mm:
Tab. 3: Monatssummen des Niederschlages in Neunkirchen in mm
J F M A M J J A S O N D
31mm 33mm 34mm 50mm 75mm 99mm 96mm 84mm 69mm 51mm 39mm 37mm
Im Jahr sind das 698mm, wobei die höchste Regenwahrscheinlichkeit, wie oben ersichtlich, in den Monaten Juni und Juli auftritt. Im Steinfeld gibt es 18 - 22 Tage im Jahr mit Gewittern, 5,7 Zehntel der Himmelsfläche sind im Jahresdurchschnitt bewölkt. Ansonsten ist Neunkirchen mit 40 Nebeltagen pro Jahr ein richtiges Nebelloch.
An 15 bis 17 Tagen im Jahr schneit es, mit einer mindestens 1cm hohen, einige Tage anhaltenden Schneedecke ist zwischen dem 1. Dezember und dem 9. März zu rechnen. Die am längsten andauernde Schneebedeckung, die sogenannte Winterdecke, liegt zwischen dem 5. und dem 31. Jänner.
Die Hauptwindrichtung im Steinfeld ist Nordwest, wobei die mittlere Windgeschwindigkeit zwischen 3 und 4m/sec liegt.
Über das Mikroklima am Hauptplatz selbst habe ich keine Daten gefunden. Laut einer Aussage unseres Stadtamtsdirektors soll es durch die großen, begrünten Hinterhöfe der den Hauptplatz umschließenden Häuser positiv beeinflußt werden. Auch scheinen die vier Bäume um den Brunnen sowie der Brunnen selbst einer allzu großen Hitzeentwicklung auf dem großen, mit hellen Steinen ausgelegten Platz entgegenzuwirken.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß aufgrund der erhobenen Daten der Monat September der geeignetste Zeitraum für größere Veranstaltungen am Hauptplatz zu sein scheint, gefolgt von Mai und Oktober. Die anderen Monate sind vom Wetter her entweder zu kalt oder zu unsicher.
Auch die Tatsache, daß der Platz außerhalb der Geschäftszeiten eher unbelebt wirkt, zeugt von der Bedeutung des Einzelhandels für den Hauptplatz.
Diese Situation hat Tradition. Bereits 1136 wird Neunkirchen das Markt- sowie das Münzrecht erteilt. Als einziger Markt in diesem Landschaftsstrich hat "Niuwenchirgun"* ein weites Einzugsgebiet, die verkehrsgünstige Lage an der Schwarza sowie einigen Römerstraßen ist bei der Überlegung, Neunkirchen als Markt zu konstituieren, von großer Bedeutung. Im Jahre 1194 wird in einer Entfernung von etwa 20 km Richtung Wien die Stadt Wr. Neustadt gegründet, auf welche Markt- und Münzrecht übergehen. Ob es eine Zeit gegeben hat, in der Neunkirchen nicht über ein eigenes Marktrecht verfügte, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Sicher ist, daß die Bedeutung Neunkirchens als Markt vor allem für die Bevölkerung aus dem südwestlichen Bergland, für die Wr. Neustadt zu weit entfernt lag, wiederholt als Argument bei Verhandlungen mit der jeweiligen Regierung betont wurde.
In weiterer Folge erlangte Neunkirchen Bedeutung als Handwerksort, 16 Zünfte zählte Neunkirchen in seiner Blütezeit. Im Zeitalter der Industrialisierung wurde die günstige Lage Neunkirchens für die Nutzung der Wasserkraft vor allem von der Textilindustrie erkannt. Mit Ende des ersten Weltkrieges begann die Bedeutung Neunkirchens als Industrieort zu schwinden, heute zeugen nur mehr die leeren Fabriksgebäude von der einstigen Blütezeit der Stadt. Mit der Stahlkrise und den damit in Zusammenhang stehenden Schließungen in der einstigen Stahlstadt Ternitz gingen weitere wichtige Arbeitsplätze im Gebiet verloren.
Infolgedessen versucht sich Neunkirchen als Einkaufsstadt zu profilieren. Wieder stellt Wr. Neustadt eine große Konkurrenz dar. Ich erinnere mich, daß meine Eltern mit mir etwa alle ein, zwei Monate nach Wr. Neustadt gefahren sind, um dort größere Einkäufe - vor allem im Textilbereich - zu tätigen. Später kommt noch die Shopping City Süd, nicht ganz eine Autostunde von Neunkirchen entfernt, als attraktive Gelegenheit für Großeinkäufe dazu. Immer mehr Kaufkraft wandert ab, Handlungsbedarf ist gegeben. Im Jahr 1985 beauftragt das WIFI der Handelskammer Niederösterreich die SOREF-Betriebsberatung mit einer Studie über die Eignung Neunkirchens für eine Fußgängerzone.
Laut Altbürgermeister Felix Rigler (Interview) wurde im Gemeinerat beschlossen, Neunkirchen als "liebenswerte Kleinstadt" als Einkaufsstadt attraktiv zu machen. Um mit Wr. Neustadt direkt in Konkurrenz zu treten, ist Neunkirchen zu klein, also müssen andere Vorteile gefunden werden, wie zum Beispiel die Neuschaffung etlicher - im Gegensatz zu Wr. Neustadt - gebührenfreier Parkplätze*. Die Stadt wurde "umgebaut", ein neues Verkehrskonzept erstellt. Viele Hausbesitzer ließen es sich im Zuge dieser Neuerungen nicht nehmen, die Fassaden der alten Bürgerhäuser neu zu renovieren. (Lediglich das gemeindeeigene Elektrohaus bildet hier eine unrühmliche Ausnahme. Da hier ein Betrieb angesiedelt ist, gewährt der Bund nicht die notwendigen Unterstützungen).
Parallel zur Fußgängerzone Hauptplatz entwickelt sich ein neues Einkaufszentrum am Spitz, welches ausgesprochen fußgängerfeindlich angelegt wird. Hier sind vor allem Artikel des täglichen Bedarfes zu finden, am Samstag trifft sich halb Neunkirchen beim Merkurmarkt zum Wocheneinkauf. Eine weitere Agglomeration von Supermärkten bildet sich im Bereich der Raiffeisenstraße, welcher ebenfalls im Süden der Stadt gelegen ist. Im Steinfeld findet sich noch etwa in der Mitte der Rohrbacherstraße eine Möglichkeit, für den täglichen Bedarf im großen Stil Einkaufen zu gehen. Für die nichtmotorisierte Bevölkerungsschichte etwa im Steinfeld ist die Situation denkbar schlecht.
Mit der Neugestaltung des Hauptplatzes und der Eröffnung der Hauptplatzpassage ist es Neunkirchen sicher gelungen, die räumlichen Voraussetzungen für eine "liebenswerte Kleinstadt", die zum gemütlichen Einkaufen verführen soll, zu schaffen. Der Platz selbst kann als Knotenpunkt von allen wichtigen Einkaufsstraßen gesehen werden: Wienerstraße, Triesterstraße, Fabriksgasse. Die Herrengasse läuft parallel und ist durch die Romantika 2000 mit dem Platz verbunden, der Holzplatz durch die kurze Kirchengasse. Die Passage wird als wichtiger Teil des Hauptplatzes angesehen. Es gab ferner eine Werbekampagne unter dem Motto "Neunkirchen erfüllt Träume", für die ein eigenes Neunkirchenlogo geschaffen wurde (siehe Abb.1)
Aus Kostengründen wurde die Betreuung dieser Werbelinie durch eine Werbeagentur von der Gemeinde wieder eingestellt. Auch unter den einzelnen Wirtschaftstreibenden von Neunkirchen besteht offensichtlich zu wenig Zusammenhalt, als daß eine sinnvolle Gemeinschaftswerbung in einem weiteren Umfeld gestartet werden könnte. Bei meinen Experteninterviews habe ich immer wieder Kritik über den Branchenmix am Hauptplatz gehört sowie über das Angebot der ansässigen Geschäfte (vor allem von Roysky und Schöller). Im "City Express" 1. Ausgabe 1996, einer Postwurfzeitung, lese ich auf Seite 3 : "Geschäftssterben in Wr. Neustadt und Neunkirchen geht weiter. Kein Ende der Pleiten ist abzusehen. Wohl sind die Innenbereiche der Städte in den letzten Jahren immer schöner geworden, der Parkraum und die Zufahrten wurden immer mehr gekürzt. Der geringere Besucherstrom und die viel zu hohen Mieten sind nicht miteinander vereinbar. Eine (im Original, Anm.) Ende ist derzeit nicht in Sicht." Dazu wird ein Bild vom Neunkirchner Hauptplatz gezeigt, auf welchem lediglich fünf Menschen auf Bänken sitzend sowie einer gehend zu erkennen sind, die leere Fläche im Bildvordergrund wird durch einen Weitwinkeleffekt übermäßig betont. Dazu der Bildtext: "Leerer Hauptplatz in Neunkirchen - leider keine Seltenheit". Nun, das Bild hat zumindest Seltenheitswert, mir ist es bis jetzt nicht gelungen, unter Tags ein ähnlich menschenleeres Foto zu schießen....
Sicher ist die oben erwähnte Zeitungsmeldung übertrieben, trotzdem fällt auf, daß in Neunkirchen häufig Geschäftsräume leerstehen, Geschäfte immer wieder umziehen. Lediglich die alteingesessenen Geschäfte am Hauptplatz sowie die Geschäfte in der Passage scheinen von dieser Fluktuation nicht betroffen zu sein. Mit schuld daran sind sicher die überhöhten Mieten in den neu geschaffenen Geschäftsräumen, die aber aus der Sicht der Vermieterinnen und Vermieter, welche die Baukosten zu tragen hatten, wieder verständlich sind.
Es liegt meines Erachtens nur mehr in den Händen der Neunkirchner Kaufmannschaft, ob das Konzept "Einkaufsstadt Neunkirchen - Neunkirchen erfüllt Träume" aufgeht. Dem Grundtenor vieler Gespräche mit Handelstreibenden in Neunkirchen entnehme ich, daß es keinen richtigen Gemeinschaftsgeist zu geben scheint, was auch Einzelinitiativen schadet und den wenigen Geschäftsleuten, die sich engagieren würden, die Freude am Planen und Organisieren nimmt.
Als Quelle für diesen Abschnitt diente mir das im Zuge meiner Seminararbeit über den Holzplatz angeeignete Wissen, sowie eigene Erfahrungen und viele Gespräche über Neunkirchen und die momentane Situation der Stadt. Bezüglich genauerer Informationen und detaillierter Quellenangaben möchte ich auf das Kapitel "Ein Ausflug in die Geschichte" meiner Seminararbeit "Der Hauptplatz von Neunkirchen" aus dem Jahr 1994, Institut für Freiraumgestaltung und Landschaftspflege, Arbeitsbereich Landschaftspflege und Naturschutz, verweisen, sowie auf das Verzeichnis der weiterführenden Literatur.
Bei der ersten Präsentation meiner Arbeit im Diplomandenseminar wurde ich gefragt, welche Freiräume in Neunkirchen in Konkurrenz zum Hauptplatz stehen. Auf die weitere Anregung, auch diese zu untersuchen, antwortete ich, daß dies den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde. Trotzdem sei hier ein kurzer Überblick über die anderen Freiräume und Plätze gegeben, um die besondere Stellung des Hauptplatzes zu unterstreichen.
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